Rumänische Gastfreundschaft und das Eiserne Tor

Iva, der Großvater unseres Vermieters Alexandru in Timisoara, lebt eigentlich in einem kleinen rumänisch-serbischen Dorf an der Einfahrt zum Eisernen Tor. Er spricht weder Deutsch noch Englisch und wir kein Wort Serbisch oder Rumänisch, aber mit Händen und Füßen und mithilfe einer Karte wird recht schnell klar, dass uns unsere Route durch sein Heimatdorf Divici führen wird. Er lädt uns herzlich ein, ihn zu besuchen und diktiert uns mehrfach die beste Route dorthin in die Feder. Wir bekommen seine Gastfreundschaft bereits in Timisoara zu spüren, immer wieder versorgt er uns mit selbst gebranntem Pflaumenschnaps (serbisch: Rakia), den er, wie er uns verständlich macht, 2x destilliert und 5 Jahre hat reifen lassen.

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Wir machen uns schließlich auf den Weg nach Divici, der uns auch ein Stück durch Nordost-Serbien führt. Wir verlassen zum ersten Mal auf unserer Reise die EU. Wir verbringen die Nacht auf einem serbischen Acker und verlassen das Land bereits am nächsten Tag wieder und fahren auf rumänischer Seite an die Donau.

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Wir fahren durch eine Reihe kleinerer Dörfer. Die Hundeproblematik spitzt sich an diesem Tag dramatisch zu. Jede Ortsdurchfahrt wird zum Spießroutenlauf. Von allen Seiten kommen Wachhunde laut bellend angerannt und verfolgen uns oft im Rudel. Wir können wunderbar unsere neue Technik der Situationsbewältigung proben: langsamer werden, ggfs. absteigen und langsam schiebend das Revier verlassen. Leider kommen wir so recht langsam vorwärts. Wir sind erleichtert als wir Divici schließlich erreichen und Ivas Haus ausfindig gemacht haben.

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Gruppenbild unter Wein
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Iva ist ein Tausendsasser, von ihm stammen die Wandmalereien
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Unser liebevoll bereitetes Bett

Iva wohnt mit seiner Frau in einem „Fassadendorf“. Das Dorf besteht aus einer Straße, die links und rechts von aneinandergereihten Häuserfronten gesäumt wird. Wir sind sehr überrascht, was sich alles dahinter verbirgt: ein langgezogenes Haus mit zwei Innenhöfen, ein Garten, Hühnerstall, Maislager und ein ziemlich großes Feld. Wir erleben beeindruckende Gastfreundschaft. Ivas Frau bekocht uns fürstlich mit allem, was Land und die Donau hergeben. Iva ist Donaufischer und so gibt es große Platten frischen Fisch, Huhn aus eigener Zucht, Eier, Gemüse aus dem Garten und immer wieder Schnaps. Weil wir die Gäste sind, bekommen wir zum Nachtisch stets noch einen Kaffee türkischer Art serviert. Alles wird von Ivas Frau auf einem alten Herd in einer kleinen Küche mit niedrigen Decken und ohne Wasseranschluss zubereitet. Der Abwasch wird unter freiem Himmel in Schüsseln erledigt. Wir sind tief beeindruckt von der einfachen und glücklichen Lebensweise und bewegt von der Gastfreundschaft, die uns zuteil wird.

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Weinpresse aus dem osmanischen Reich

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Wir sind zu Zeit der Weinernte in Divici. Der Weingarten der Familie befindet sich etwas außerhalb des Dorfes am Ufer der Donau. Die Weinreben werden in einer über 100-Jahre alten Weinmühle, die noch aus dem osmanischen Reich stammt, zu Maische verarbeitet. Iva zeigt uns stolz seine alten Weinfässer. Den Wein verkauft er, wie auch seinen Schnaps an Stammkunden und einige Restaurants in Timisoara. Er präsentiert uns auch seine Distille, die ihm ein Roma vor Jahren vor Ort geschmiedet hat.

Am Abend gehen wir zusammen mit Alexandru und seinem Cousin in die Dorfkneipe. Caro ist die einzige Frau unter den Männern des Dorfes und wird als einzige nicht mit Handschlag begrüßt. Alexandru und sein Cousin erzählen uns von den großen Unterschieden in Lebensstil umd -standard zwischen Land und Stadt in Rumänien, von Korruption im gesamten Bildungssystem, an der sich nur langsam was ändert. Dass sich seit dem EU-Betritt einiges entwickelt hat, viele Rumänen aufgrund viel besserer Verdienstmöglichkeiten aber nach Deutschland, Frankreich oder Italien abwandern und so ganze Dörfer, wie auch Divici, weitestgehend verlassen sind. Nur die Alten bleiben zurück. Von ausländischen Supermarktketten, die die lokalen Strukturen weitestgehend zerstört haben…

Am nächsten Morgen helfen wir noch bei der Maisernte mit. Auf dem Weg zum Feld nehmen auf dem Anhänger von Ivas Einachser Platz.

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Anschließend nehmen wir wehmütig Abschied. Ivas Frau hat frischen, unglaublich leckeren Apfelkuchen gebacken, damit wir Kraft zum Pedallieren haben. Noch einen letzten Schaps und schon sitzen wir wieder auf unseren Rädern.

Wir folgen der Donau weiter ins Eiserne Tor. Das Radeln fällt uns an dem Tag besonders schwer und so freuen wir uns sehr, dass wir Jana und Felix treffen. Die beiden kommen aus Hamburg, sind auch für ein Jahr auf Reisen und folgen der Donau von Quelle bis Mündung ins Schwarze Meer. Hier ist der Link zu ihrem Blog: xilaew.eu

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Wir beschließen ein Stück des Weges gemeinsam zu fahren und finden abends einen schönen Zeltplatz am Donauufer. Wir sitzen noch lange am Lagerfeuer und tauschen uns über unseren bisherigen Reiseerfahrungen aus.

Als wir am nächsten Morgen aufbrechen, fängt es an zu regnen und hört auch für die nächsten 3 Tage nicht mehr auf. Auch wenn die Nässe von allen Seiten kommt, ist es dennoch sehr eindrucksvoll zu sehen, wie die Donau ihren Weg durch die Karpaten findet, mal bis zu 5km breit als Stausee und dann wieder nur 200m eng ist. Wir machen halt an der Gesichtsskulptur des Decebalus, angeblich höchste Felsskulptur Europas mit 40m, sehr imposant.

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Völlig druchnässt kommen wir schließlich bei Einbruch der Dunkelheit in Orşova, das sich kurz vor der Staumauer befindet, an. Wir kommen in einem Hostel unter und hoffen auf besseres Wetter. Am nächsten Morgen legt der Regen aber nochmal zu, so dass wir an dem Tag nur die Staumauer und damit auch die Grenze nach Serbien überqueren und im nächsten serbischen Ort bereits das nächste Nachtlager beziehen.

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Serbische Grenze am eisernen Tor

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