Alpenüberquerung

Es ist soweit. Sonntag 8:00Uhr, ca. 800m über dem Meeresspiegel und die Räder sind endlich bepackt. Den geplanten Start haben wir um eine Stunde verpasst, es sind bestimmt noch eineinhalb Liter Tau in der Zeltplane, das kann ja was geben. Zwei Kilometer bleiben uns mit einer Steigung von 2%, die Warmfahren zulässt. Dann gehts los, mindestens 10% Steigung für den Rest des Tages.

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Erste Pause nach 350Hm
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Wir machem uns die Beine locker und genießen den Ausblick

In der ersten Pause nach etwa 350Hm, also auf etwa 1160m ist uns klar, warum kein anderer mit Gepäck hier unterwegs ist. Außer die zwei vom Campingplatz letzte Nacht, aber nur mit 2 Taschen pro Rad. Sonst grüßen uns nur Rennradfahrer, die uns überholen. Deren Blick hat was von Mitleid und im Ton des oft gehörten Glückwunschs schwingt mit, dass es sich um ein hoffnungsloses Unternehmen handelt. Egal, kurzer Stopp am Kiosk, für Caro ne Wurst mit Semmel und für mich ein Apfelstrudel und weiter gehts, Meter für Meter.

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Berge mit Schnee, wie gewünscht
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Passieren der Baumgrenze
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Noch unterhalb der Baumgrenze
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Schöne Straßen auch über der Baumgrenze

Heute ist Sonntag und das riechen wir. Die Runterkommenden stinken nach Bremse, die Hochfahrenden nach Öl und Benzin. Das Geknatter der Mottorräder ist hier wie Meeresrauschen, es hört nicht auf.

Für den Mittagsschlaf spannen wir auf knapp 2000m unsere Plane auf, denn hier gibt’s kein Schatten mehr. In der Hoffnung die Kräfte kehren schnell zurück versinken wir begleitet von dem Quietschen der Bremsen und röhrenden Motoren in einen weniger erholsamen Mittagsschlaf.

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Weiter gehts, Straße und Bergwelt werden immer eindrucksvoller
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Pause, eine der letzten für heute

Nun müssen wir fast alle 50Hm pausieren, weil die Beine sind leer. Gegen 16:15 Uhr kommen wir auf 2262m an einer Hütte an. Noch etwas mehr als 150Hm bis zur ersten Kuppe. Ich hoffe die Pizza gibt uns die Kraft dafür, aber dann entscheiden wir uns hier zu biwakieren. Wir würden es nicht bis Heiligenblut schaffen, und eine Passabfahrt in der Dämmerung und völlig entkräftet wäre zu gefährlich.

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Wenigstens ist es hier wunderschön
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Endlich windig und kalt genug für die Dreamwalker
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Kurz gedöst und die Sonne ist weg
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Nachtlager
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Im Hintergrund sieht man die erste Höhe

Ein etwas mulmiges Gefühl haben wir hier schon beim Biwakieren, da wir nicht wirklich in der Wildnis sind und die Österreicher das ungern sehen. Aber wie immer stört es Niemanden und die Nacht ist traumhaft. Es ist klar, aber nicht zu kalt und der Blick auf die Sterne ist fantastisch. Wir wachen beide nachts unabhängig von einander auf und berichten uns am nächsten Morgen von dem spektakulären Bild. Christoph war zu faul das Stativ rauszukramen, daher gibts hier kein Bild davon.

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Morgens vor 7

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Nach einem Riegel als erstes Frühstück schaffen wir es gut auf die erste Kuppe, das Fuscher Törl. Danach müssen wir noch etwa 150m runter, um dann entgültig die Alpen auf 2500m zu überqueren. In der Senke gibts für uns auf einer Hütte noch ein super Frühstück, das hätten wir hier nicht erwartet.

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Am Fuscher Törl

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Wahnsinns Panorama

Die letzten Meter sind einfach super schön, obwohl der Verkehr etwas mehr wird. Den Tunnel genießen wir richtig und danach bringen wir unsere Abzeichen an, siehe unten. Nach einem kurzen Fotostopp stürzen wir uns in die Abfahrt. Hoffentlich machens die Bremsen mit, denn es geht brutal bergab.

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Vorm Tunnel
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Nach dem Tunnel
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Endlich bergab
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Mehr als 60 war nicht drin...
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Aber Spaß macht es hier im kurvigen Bereich

In der Abfahrt sehen wir das erste Mal den Großglockner und machen eine Pause. Ich justiere mal meinen vorderen Bremssatttel neu, weil das Singen der Bremse nicht gerade mein Vertrauen weckt. Obwohl man sagen muss, dass sie super bremst. Bei ca. 145kg Gesamtgewicht reicht immer ein Finger pro Hebel. Aber nach der Pause kommen die fiesen Stücke, die Strecke ist ohne Kurven steil am Hang entlang gebaut. Dies verleitet zum Dauerbremsen – und das ist tödlich für die Bremsen. Also gewöhnen wir uns einen guten Bremsrhythmus an und kommen sicher runter. Wenigstens Christophs Bremse stinkt jetzt auch.

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Der Großglockner
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Heiligenblut

Nach Heiligenblut gehts human bergab und wir folgen der Möll bis Flattach.

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Die Abzeichen

9 Gedanken zu „Alpenüberquerung“

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